Sonntag, 22. September 2013

Bulungula, Tag 3 - oder: leben wie ein Xhosa

Für unseren dritten Tag in Bulungula hatten wir uns gleich für zwei Touren eingetragen: morgens wollte ich in den Alltag der Xhosa-Frauen hineinschnuppern, während Börni sich im Fischen versuchen wollte, und nachmittags hatten wir uns beide für die Village Tour angemeldet.

Bevor es losgehen konnte, bauten wir allerdings erst einmal unser Zelt komplett neu auf, denn nach dem Sturm am Vorabend war es voller Sand und immer noch ein bisschen krumm :-) Außerdem hatten auch ein paar Spinnen darin Zuflucht gesucht, und nach dem Erlebnis mit der Spinne im Schuh hatte ich keine allzu große Lust, diese neuen Mitbewohner laenger als unbedingt notwendig zu ertragen :-)

Meine "Women Power"-Tour startete dann mit einer guten Stunde Verspätung. Im Vergleich zu Börni war ich damit aber noch gut dran, denn der Fischer erschien überhaupt nicht, so dass er sich das Fischen selbst beibringen musste. Als es dann endlich losging, führte uns Nomentize (ich glaube, das ungefähr war ihr Name :-) ) zunächst einmal zu der Rundhütte, in der sie wohnt - zusammen mit sechs anderen Personen. Sehr schwer vorstellbar ist das aus unserer westlichen Sicht: zusammen mit sechs anderen Menschen in einem einzigen Raum zu wohnen, mit wenig mehr ausgestattet als mit einem kleinen Regal für die wenigeen Besitztümer der Familie, und ein paar Strohmatten, die zum Schlafen auf dem Lehmboden ausgerollt werden. Kein Strom, kein fließend Wasser, ja nicht einmal ein richtiges Bett.

Es ist eine Sache, über Armut zu lesen oder einen Bericht im Fernsehen zu sehen, und etwas ganz anderes, wirklich vor Ort zu sein und mit den eigenen Augen zu sehen, was das für die Menschen selbst bedeutet. Vor allem um die Kinder machte ich mir im Laufe dieses Vormittags viele Gedanken, denn die meisten von ihnen werden nur die Grundschule besuchen und sich später als Bauern oder Minenarbeiter durchschlagen müssen, weil die nächste weiterführende Schule viele viele Kilometer weit weg ist.

Allzu tief konnte ich aber nicht in diesen Gedanken versinken, denn zu unserer Tour gehörte auch, es einmal mit den typischen Alltagsaktivitäten einer Xhosa-Frau zu versuchen: so durfte ich einen (winzig kleinen) Eimer Wasser und ein Bündel Feuerholz auf dem Kopf durch das Dorf tragen, mit einer Schicht Lehm im Gesicht vor der Sonne geschützt! Sobald ich kann, lade ich ein Foto hoch, damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt :-)

Fast wie eine echte Xhosa ;-)

Nachmittags folgte dann die Dorfführung, und in vieler Hinsicht erweiterte und veränderte diesee mein Bild vom Leben der Dorfgemeinschaft noch einmal. Zum einen war es schön, die kleine Vorschule des Dorfes zu sehen, die vor einigen Jahren mit Hilfe des Bulungula-Projekts gebaut wurde (zu dem auch das Hostel gehört). Nicht nur bekommen die Kinder hier die Möglichkeit, spielend zu lernen, auch die Eltern werden durch Workshops gefördert und lernen zum Beispiel, wie man einen Gemüsegarteen anlegt. Fuer das Dorf bedeutet dies mit Sicherheit einen grossen Fortschritt.

Nächster Stop auf der Tour war der kleine Dorfladen, der einige Grundnahrungsmittel anbietet (zum Beispiel Milch, Reis und Mais sowie Babynahrung), gleichzeitig aber auch als Shebeen fungiert, also als lokale Bar :-) Die Menschen sitzen dort im Kreis entlang der Wände und teilen sich das lokale "african beer" aus einem großen Eimer oder Krug, der immer wieder die Runde macht. Natürlich haben wir einen Liter gekauft und das Bier selbst getestet! Optisch erinnert es ein bisschen an Milch, geschmacklich ist es kein großes Highlight, aber der Alkoholgehalt dürfte deutlich höher liegen als bei seinem europäischen Verwandten :-)

Derart gestärkt ging es weiter zur Rundhütte des Headman, wo praktischerweise gerade eine Feier stattfand: anscheinend ist es hier Tradition, dass eine Witwe am Ende des Trauerjahres ein Fest zum Gedenken an ihren verstorbenen Mann gibt, und wir durften netterweise daran teilhaben. Die Hütte war brechend voll, mit den Männern auf der einen und den Frauen auf der anderen Seite. Während wir Mädels es uns inmitten der Frauen gemütlich machen durften, saßen Börni und der andere junge Europäer wie auf dem Präsentierteller inmitten der Hütte und mussten zahllose Hände schütteln. Zum Glück hatten wir mittlerweile ein paar Xhosa-Wörter gelernt, so dass wir zumindest Hallo sagen konnten :-) Wie wir schnell bemerkten, war die Party allerdings schon eine ganze Weile im Gange, denn die Leute waren schon ziemlich betrunken. Von daher war es vermutlich auch ganz gut, dass bald nach unserer Ankunft die Feier mit einem Gebet und einem Lied zu Ende ging und sich alle auf den Heimweg machten :-)

Die halbe Stunde, die wir auf dieser Feier verbracht haben, hat mir jedoch auch gezeigt, dass die Xhosa auch etwas haben, wovon wir nur träumen können: einen starken Gemeinschaftssinn und aktiv gelebte Traditionen. Was für ein toller Einblick in diese fremde Kultur!

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