Hallo noch einmal,
Nach fünf Tagen in Kathmandu, die wir hauptsächlich damit verbracht haben, unsere nächsten Reiseabschnitte zu planen und es uns in den zahllosen Restaurants gutgehen zu lassen, sind wir am Samstag in das Terai gefahren, bekannt als "das andere Nepal". Statt karger Berge beherrscht hier tiefgrüner Dschungel die Landschaft. Es ist tropisch heiß und unfassbar feucht.
Wir buchten eine ganztägige Jeep Safari, die uns tief hinein in diesen nepalesischen Dschungel bringen sollte. Schon um Viertel nach sechs machten wir uns auf den Weg. Der Park ist durch einen Fluss von Sauraha getrennt, dem Dorf, in dem wir die Nacht verbracht hatten. Am Vorabend hatten wir hier schon die ersten Krokodile gesehen, so früh am Morgen ließ sich zum Glück noch keines blicken. Dennoch war es ein unheimliches Gefühl, in einem flachen Kanu zur anderen Seite überzusetzen.
Noch lag über dem Wald ein dichtes Nebelfeld, das dem Morgen eine surreale Note gab. Ein kühler Wind strich uns über die Haut, die Sonne stand als glutroter Ball knapp über dem Horizont. Das einzige Geräusch, das wir hörten, war das unablässige Knattern des Jeeps. Gespannt warteten wir darauf, die ersten Bewohner des Parks zu sehen. Doch bis auf ein paar Rehe, für den Europäer nicht gerade die außergewöhnlichsten Tiere, gab es nichts zu sehen. Erst als ein paar Herren kurz austreten waren, wie man so schön sagt, sah ich plötzlich zwei Nashörner auf uns zu kommen! Erstaunlich, wie schnell die Herren wieder zurück auf dem Jeep waren :-) Nach dieser ersten Begegnung sahen wir die imposanten Tiere immer wieder. Auch ein Bison konnten wir entdecken.
Die Sonne stieg höher und löste den Nebel auf, der uns so lange eingehüllt hatte. Es wurde drückend heiß. Der Fahrtwind kühlte zwar unsere Gesichter, doch die Nacken waren den Strahlen erbarmungslos ausgesetzt. Es wurde Zeit für eine Mittagspause. Unser Guide hatte dafür einen außergewöhnlichen Ort ausgesucht: die Tiger Temple Lodge muss einst ein imposantes Hotel gewesen sein, mitten in dieser undurchdringlichen Wildnis, doch seit vor sieben Jahren eine Gesetzesänderung alle Übernachtungen innerhalb des Parks unterband, ist sie dem Verfall ausgesetzt. Die Spuren der Zeit waren deutlich sichtbar: verfallene Dächer, tellergroße Löcher in den Fliegengittern, gebrochene Planken auf der Aussichtsplattform über dem Fluss. Doch zugleich wirkte es, als seien die Besitzer nur mal kurz weg: Teller und Tassen standen noch in ordentlichen Reihen im Regal, Vorhänge wehten an den Fenstern und die Toilette war in erstaunlich gutem Zustand. Ein seltsam faszinierender Ort mitten in der Wildnis.
Als die Hitze wieder nachließ, machten wir uns auf den Rückweg. Wieder sahen wir einige Nashörner, doch der große Star, der bengalische Tiger, ließ sich nicht blicken. Nur seine handgroßen Pfotenabdrücke entdeckten wir im Staub. Kurz bevor wir wieder an unserem Ausgangspunkt ankamen, entdeckten wir aber immerhin noch einen der seltensten Parkbewohner überhaupt: eine armdicke Königskobra wand sich hastig durch das Unterholz, als wir ihr mit dem Jeep zu Nahe kamen.
Erst als die Sonne schon tief am Himmel stand, erreichten wir wieder Sauraha. Dort liefen schon die Vorbereitungen für einen Feiertag, der uns auf dieser Reise immer wieder begegnet: Silvester! In Nepal beginnt das neue Jahr nämlich am 15. April, und es ist auch nicht das Jahr 2014, sondern das Jahr 2071, das nun an die Tür klopfte. Doch anders als der Rest der Welt begegnen die Nepalesen dem neuen Jahr mit geradezu buddhistischem Gleichmut: keine großen Feiern, kein Feuerwerk, nur ein Essen mit der Familie oder Freunden würdigt den Übergang von einem Jahr ins andere. Wir waren ohnehin müde von einem sehr sehr langen Tag, und so begegneten wir dem neuen Jahr auf die wohl gleichmütigste Art und Weise überhaupt: friedlich schlafend in unserem Bett! :-)




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