Montag, 7. April 2014
Rund um das Annapurna-Massiv, Teil 2
Guten Morgen liebe Leser,
wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, am Ende des zweiten Tages, als Boerni in Ghermu krank im Bett lag, waehrend draussen ein Gewitter tobte.
Am naechsten Morgen war Boerni natuerlich noch nicht wieder ganz gesund, aber doch fit genug, sich erneut auf dem Annapurna-Trek bergauf zu kaempfen. Das Wetter spielte auch noch nicht so ganz mit, es war grau-trueb und sogar ein bisschen neblig, aber auch das hielt uns nicht auf. Im Gegenteil, durch die tiefhaengenden Wolken bekam der Trek eine gespenstische, abenteuerliche Note, die schmalen Pfade entlang eines steilen Berghangs wirkten umso beeindruckender. Himalayan Griffons, riesige Greifvoegel mit einer Fluegelspannweite von bis zu 3 Metern, flogen an uns vorbei, oft nur wenige Meter entfernt.
Gegen Mittag sahen wir schliesslich vor uns den vom Guidebook angekuendigten steilen Hang, den wir erklimmen mussten, um die Grenze des Manang-Bezirks zu erreichen. So steil, wie er von Weitem ausgesehen hatte, war er denn auch, in schmalen Serpentinen erklomm der Weg die Hoehenmeter. Auf halben Weg wartete ein Tea House, wo wir uns atemlos einen heissen Tee bestellten und - so seltsam das vielleicht klingt ;-) - jeder ein hartgekochtes Ei als Snack. Ueberhaupt haben wir sehr viele Eier gegessen im Himmalaya, sie haben sich als Zwischenmahlzeit fuer hungrige Trekker bewaehrt. Aber das wussten wir damals natuerlich noch nicht. Nach wenigen Minuten der Ruhe begannen wir die Kaelte des Windes zu fuehlen, und so ging es weiter den Hang hinauf, Schritt fuer Schritt, Kurve um Kurve. Dabei entwickelte jeder von uns seine eigene Methode, den Berg zu erobern: Boerni ist ein Fan der kleinen Schritte, mit erstaunlicher Kontinuitaet setzt er einen Fuss vor den anderen, der einzelne Schritt bringt ihn kaum weiter, doch mit seiner Beharrlichkeit kommt er trotzdem ans Ziel. Fuer mich waere das nichts. So wie ich auch Treppen meistens zwei Stufen auf einmal hinaufsteige, stapfe ich auch einen Berghang mit grossen Schritten hinauf - und brauche dann alle zwei Kurven eine Pause, um wieder zu Atem zu kommen :-) Aber letzten Endes erreichten wir doch beide das Plateau am Ende des Hangs, wo ein steinernes Tor uns begruesste: "Welcome to Manang District".
Hinter dem Tor begann, so schien es, eine neue Welt. Am Vormittag waren wir entlang des Hanges durch ein immer schmaler werdendes Tal gewandert, nun erwartete uns eine weite Ebene, durch die sich der Marsyangdi schlaengelte. Erstaunlich! Laut unserem Reisefuehrer waere hier fuer den Tag Schluss gewesen, doch es war ja erst mittags, und so wanderten wir nach einer ausgiebigen Pause noch etwas weiter, bis zu einem Ort namens Karte, wo uns im New World Guesthouse eine richtig heisse Dusche erwartete! Hier oben im Himmalaya bei weitem keine Selbstverstaendlichkeit, aber bei der Kaelte an diesem Abend eine wunderbare Annehmlichkeit. Wir haben wunderbar geschlafen. :-)
Der naechste Morgen begrueste uns mit herrlichem Sonnenschein und eisiger Kaelte. Es wurde Zeit, die Muetzen auszupacken! Der steile Anstieg, der uns gleich zu Beginn dieses Tages erwartete, sorgte allerdings schnell dafuer, dass wir nicht mehr frieren mussten. In einem Ort namens Danagyu goennten wir uns ein zweites Fruehstueck (Eier, was sonst ;-) ) mit Aussicht auf den schneebedeckten Gipfel des Manaslu. Danach schlossen wir uns einer us-amerikanisch/kanadischen Wandergruppe an, die wir mit dem Spitznamen "North-American Taskforce" versahen.
Das war auch gut so, denn hinter Danagyu erwartete uns eine schier endlose Treppe, die immer weiter den Hang hinauf fuehrte. In der Gruppe war es doch etwas leichter, sich die immer neuen Stufen hinaufzuquaelen :-) Schliesslich erreichten wir einen wunderschoenen Wald voller bluehender Rhododendren. Der Weg fuehrte nun nur noch ueber sanfte Huegel und eine der unendlich langen Haengebruecken, die die Schweizer hier in Nepal gebaut haben, um Wanderfreunden das Leben zu erleichtern.
Schliesslich erreichten wir Timang. Unglaubliche 800 Hoehenmeter hatten wir an diesem Tag schon erklommen, und es war gerade einmal Mittagszeit! Ein Stueckchen weitergehen wollten wir dennoch. Der Weg allerdings wollte wohl unser Durchhaltevermoegen pruefen, denn schon bald kamen wir an eine Schlucht, in die der Weg erst einmal Hundert Meter steil hinabfiel, nur um auf der anderen Seite wieder hinaufzusteigen. Welche Gemeinheit! Einen kurzen Moment spielten wir mit dem Gedanken, doch einfach in Timang zu uebernachten und erst morgen weiterzugehen, doch nach einer kurzen Pause und einem Stueckchen Yak-Kaese fuer jeden fanden wir es doch einfacher, es so schnell wie moeglich hinter uns zu bringen. Eine knappe Stunde spaeter war es geschafft, wir standen auf der anderen Seite. :-)
Die letzten Kilometer des Tages schleppten wir uns nur noch dahin, in einem kleinen Dorf namens Kothro war dann auch Schluss. Zufaellig trafen wir hier zwei Israelis wieder, die schon in Ghermu im selben Gasthaus eingekehrt waren, und gemeinsam mit den nepalesischen Besitzern verbrachten wir den Abend in der Kueche. Die Finger am Feuer waermend, erfuhren wir viel ueber das Leben der Leute in dieser kargen Umgebung: dass man seine Kinder ins Internat im Tal schickt, wenn man es sich leisten kann, und dass die Kartoffeln der Nachbarn viel teurer sind als die aus der Stadt, aber auch viel besser schmecken. Rueckblickend war das einer der schoensten Abende auf unserer Tour!
To be continued :-)
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