Guten Abend,
Als wir nach unserem Trek schließlich in Pokhara ankamen, waren wir ziemlich erledigt und sehnten uns nach einem gemütlichen, sauberen Zimmer und einer ordentlichen Mahlzeit.
Welch ein Glück, dass gleich das erste Guest House ein Volltreffer war! Das "Little Tibetan Guesthouse" liegt mitten in Lakeside, dem Touristenviertel von Pokhara, doch ein wunderschöner, duftender Garten trennt es vom hektischen Straßenlärm. Unser Zimmer war groß, hell und luftig und hatte sogar einen Balkon. Hier konnten wir Erholung von den Strapazen der letzten Tage finden.
Der nächste Tag war für uns ein besonderer: wir wollten feiern, dass wir nun schon neun Jahre gemeinsam durchs Leben gehen, und sind deswegen in ein koreanisches Restaurant gegangen, als Abwechslung von der leckeren, aber nicht sehr abwechslungsreichen Küche auf dem Annapurna Circuit. Lecker war das Essen hier durchaus ebenfalls, doch schon am Abend begann Börni sich unwohl zu fühlen. Vor allem beim Gedanken an Kimchi, das koreanische Sauerkraut, wurde ihm jedes Mal übel. Auch am nächsten Tag war keine Besserung in Sicht, den ganzen Tag blieb er im Bett. Als er sich am darauf folgenden Morgen immer noch vor Schmerzen krümmte, schlug ich vor, dass wir doch besser einen Arzt aufsuchen sollten.
Der Fahrer unseres Guesthouses erbot sich, uns für ein kleines Entgelt zu einem vernünftigen Krankenhaus zu bringen ("normale" Arztpraxen gibt es in Nepal wohl nicht). Das Krankenhaus war schon ganz schön in die Jahre gekommen und die Notaufnahme, ein Saal mit etwa zehn klapprigen Metallbetten, sah auch nicht sehr einladend aus. Doch der Fahrer lotste uns, nach einem kurzen Stopp an der Rezeption, in den ersten Stock, wo wir auf den Allgemeinmediziner warteten, dessen Sprechstunde in Kürze beginnen sollte. Die Schlange vor dem Sprechzimmer war nicht allzu lang, der Fahrer, der sich wirklich sehr fürsorglich um uns kümmerte, fand heraus, dass nur vier Patienten vor uns drankommen würden.
Für unser westliches Verständnis von Intimsphäre und Datenschutz ziemlich ungewöhnlich war, dass wir bereits ins Sprechzimmer geschickt wurden, als der vorherige Patient noch drinnen war. So konnten wir dem Arzt schon einmal ein wenig bei der Arbeit zusehen, bevor Börni selbst an die Reihe kam :-) Auch das Patientengespräch war amüsant - von der nüchtern-distanzierten Herangehensweise unserer europäischen Ärzte keine Spur. Stattdessen gab es viele Witzchen über ausländische Patienten und die aus nepalesischer Sicht erstaunliche Körpergröße europäischer Männer, die Börni in seinem Zustand aber nicht so richtig zu schätzen wusste. Schließlich stellte ihm der Arzt ein umfangreiches Rezept für allerlei Medikamente aus und schickte uns mit dem wohlmeinenden Rat nach Hause, doch bitte nur in guten Restaurants zu essen (als ob draußen angeschrieben stünde, wo man besser nicht einkehrt ;-) ).
Zum Glück taten die Medikamente recht schnell ihre Wirkung und Börni fühlte sich endlich besser. Dennoch blieben wir noch zwei Tage in Pokhara, bis er sich wieder fit genug fühlte für die lange Busfahrt zurück nach Kathmandu!
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