Guten Morgen allerseits,
der fünfte Tag unserer Wandertour hielt eine unangenehme Überraschung für mich bereit: ich hatte mich bei Börni angesteckt und durfte nun selbst mit triefender Nase und Husten kämpfen. Zum Glück war der Weg an diesem Vormittag aber eher unspektakulär, große Steigungen gab es erstmal keine. Nach einem kleinen Ort namens Batrang sollten wir einen gigantischen Steilhang überqueren, den wir schon von weitem bewundern konnten: kein Baum oder Busch wuchs in dieser Geröllwüste, die obere Hälfte war von Schnee bedeckt und ein eisiger Wind pfiff über den Weg. Ein deutlicher Beweis dafür, dass die Umgebung (wir hatten mittlerweile etwa 3000 Höhenmeter erreicht) immer lebensfeindlicher wurde!
Tapfer machten wir uns auf den Weg, der nun wieder steil bergauf führte. Nach einer halben Stunde dann eine unangenehme Entdeckung: wir hatten unsere Sonnenbrillen in Batrang vergessen, alle beide! Sonnenbrillen sind aber wichtig für die Passüberquerung, um Schneeblindheit zu vermeiden. Alles Ärgern und Fluchen half nichts, wir brauchten unsere Sonnenbrillen. Da ich an diesem Tag mit Erkältung und fiesen Blasen an den Fersen schon genug zu kämpfen hatte, war Börni so lieb, nach Batrang zurückzulaufen, während ich mit den Rucksäcken an Ort und Stelle auf ihn wartete. Es dauerte zum Glück nur eine gute halbe Stunde, dann war er - mit unseren Sonnenbrillen - wieder zurück!
Wir konnten also unseren Weg über den Hang fortsetzen. Irgendwann wurde der Weg wieder flacher, und die letzten Kilometer nach Lower Pisang waren nicht allzu anstrengend. In Lower Pisang kehrten wir im fast neuen Bajra Guesthouse ein. Wir waren in dieser Nacht die einzigen Gäste, dennoch wurde im Restaurant ein Feuer für uns angezündet, und wir konnten unsere klammen Finger und Zehen aufwärmen!
Am nächsten Morgen, dem sechsten auf unserer Reise, mussten wir gleich als erstes eine Entscheidung fällen: von Pisang aus führen zwei Wege zum Tagesziel Manang, eine "higher" und eine "lower" Route. Die low route gilt als deutlich weniger anstrengend, die high route lockt allerdings mit traumhaften Aussichten und dem Versprechen, gut für die Höhenanpassung zu sein, da man 600 Höhenmeter hinauf- und am Ende des Tages wieder hinabsteigt. Nachdem wir sehr gut geschlafen hatten, fühlten wir uns trotz Erkältung fit genug für diese Variante.
Zunächst führte der Weg durch ein kleines Wäldchen und an einem dunkelgrünen See entlang, auf diesem Stück hatte man glatt das Gefühl, die einzigen Menschen weit und breit zu sein, so still war es. Der Weg endete an einer der unzähligen Schweizer Hängebrücken.
Auf der anderen Seite ein Hügel, und ganz oben Ghyaru, unser nächstes Ziel. Weit war es nicht dorthin, doch man hatte uns gewarnt: dieser Aufstieg sei der anstrengendste auf dem ganzen Trek, 350 Höhenmeter seien zu überwinden.
Wir versuchten, in kleinen Schritten zu denken, beglückwünschten uns zu jeder Kurve, die wir zurückgelegt hatten, stoppten immer wieder für einen Schluck Wasser und den Blick zurück ins Tal. Über eine Stunde dauerte der Aufstieg, der uns gehörig außer Atem brachte, doch letzten Endes fanden wir ihn auch nicht schlimmer als die endlosen Treppen zwei Tage zuvor.
Die Aussicht entschädigte ohnehin für alles: von Ghyaru bis zum nächsten Ort Ngawal hat man einen fantastischen Blick auf einige der höchsten Berge der Welt! Manaslu, Annapurna II und Annapurna III hatten wir auf diesen Kilometern ständig im Blick. Ein berauschendes Gefühl!
Zu Schade, dass wir nach unserer Mittagspause in Ngawal einen Großteil der gewonnenen Höhe wieder hinabsteigen mussten. Kilometerlang ging es auf einem schmalen Pfad steil bergab, den Abgrund neben uns und den tief unter uns in der Sonne glänzenden Flughafen von Humde immer im Blick.
Nach dem Abstieg sollten wir, dem Guidebook zufolge, bald einen Ort namens Munji erreichen. Doch Fehlanzeige! Der Weg zog sich endlos dahin, hügelauf, hügelab. Dank der Erkältung fühlte ich mich jetzt gar nicht mehr so fit, ich wollte endlich ankommen. Aber so oft ich mir wünschte, hinter der nächsten Hügelkuppe käme endlich das Dorf, so oft wurde ich auch enttäuscht. Immer neue Hügel warteten auf mich. Schließlich kippte die Laune, und ich schwor mir selbst, keine Pause mehr zu machen, bis ich endlich dieses verdammte Dorf erreicht hatte! Mehr von der Wut als von der Wanderlust angetrieben stapfte ich weiter und weiter. Es dauerte bestimmt noch einmal weitere 45 Minuten, bis ich endlich - endlich! - die Dächer des Dorfes in der Ferne schimmern sah! Hinterher stellte sich heraus: ein Druckfehler im Reiseführer hatte aus sechs Kilometern drei gemacht ;-) Dafür war das letzte Stück nach Manang entsprechend kürzer, und gegen vier Uhr nachmittags erreichten wir endlich unser Ziel. Mit letzter Kraft organisierten wir uns ein Zimmer und fielen nur noch müde aufs Bett.To be continued ;-)
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