Samstag, 26. April 2014
Varanasi
Hallo liebe Leser,
unser erstes Ziel auf dem indischen Subkontinent war, wie schon im letzten Post angedeutet, Varanasi, die wohl heiligste Stadt der Hindus. Unterkunft fanden wir in einem kleinen Guesthouse mitten im Gewirr der engen Gassen der Altstadt. Um ueberhaupt zum Eingang zu gelangen, mussten wir mitten durch einen kleinen Tempel hindurch, doch das schien - ausser uns - niemanden zu wundern.
Waren wir am ersten Tag noch ueberzeugt, uns in dieser Stadt niemals zurechtzufinden, so entdeckten wir doch recht schnell, dass es vom Guesthouse nur wenige Meter waren bis zum Ganges, der als "Mutter Ganga" hier als Gottheit verehrt und dessen Ufer Schauplatz allerlei religioeser (und ebensovieler profaner) Handlungen ist.
Jeden Tag um 19 Uhr findet hier zum Beispiel die "ganga aarti", die Anbetung des Ganges statt. Diese Zeremonie beinhaltet allerlei Glockengelaeut, Weihrauch und Feuer, und zieht Abend fuer Abend hunderte Pilger ans Ufer. Fuer uns als Aussenstehende war es mindestens genauso interessant, die Pilger zu beobachten wie die Zeremonie selbst: fuer eine kleine Spende konnte man Blumenketten fuer den Hausaltar oder ein Tilaka (das rote Segenszeichen auf der Stirn) erwerben.
Wenige hundert Meter weiter kann man Zeuge einer sehr viel ernsteren Facette des Hinduismus werden: wer in Varanasi stirbt und dann am Ufer des Ganges verbrannt wird, entflieht dem ewigen Zyklus aus Tod und Wiedergeburt, so glaubt man. Bis zu 200 Tote werden daher tagtaeglich am Manikarnika Ghat am Ufer des Ganges verbrannt - in aller Oeffentlichkeit. Es ist schon unheimlich genug, wenn man den Prozessionen mit den aufgebahrten Leichnamen innerhalb der Stadt begegnet, doch diese sehr oeffentliche Form der Feuerbestattung kam uns sehr fremd vor. Nicht zuletzt wohl auch deswegen, weil sich niemand daran stoerte, dass die heiligen Kuehe munter zwischen den brennenden Leichnamen herumspazierten und genuesslich die geopferten Blumenketten frassen.
Wer diese Welt noch nicht verlassen moechte, kommt nach Varanasi, um sich mit einem Bad im Ganges von allen Suenden reinzuwaschen. Suenden mag man in seinen Fluten verlieren, doch sauberer wird man bei einem Bad im Ganges wohl kaum. In der schmutziggrauen Bruehe baden neben Menschen auch Kuehe, stinkender Dreck sammelt sich an den Ufern, und zahlreiche Kohlestueckchen wecken den Verdacht, dass die Ueberreste der Feuerbestattungen ebenfalls in diesen Wassern landen. Wir haben dann doch lieber auf diesen zweifelhaften Genuss verzichtet.
Kurzum: Varanasi ist eine Stadt, in der die Religion so allgegenwaertig ist wie das ansonsten vielleicht nur noch in Rom oder Mekka der Fall sein wird. Wohin man auch blickt, ueberall erwarten einen Zeugnisse des Hinduismus, als Tourist ist man nur eine Minderheit unter den zahllosen religioesen Pilgern, die in diese Stadt kommen. Einen spannenderen Ort haetten wir uns als unseren ersten Stopp in Indien vermutlich nicht aussuchen koennen!
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