Guten Morgen liebe Leser,
Der Tag nach unserer abenteuerlichen Passüberquerung hielt eine unangenehme Überraschung für uns bereit: den schlimmsten Muskelkater unseres Lebens ;-) Vor allem beim Treppensteigen streikte unsere Waden- und Oberschenkelmuskulatur. Außerdem hatte mein rechter großer Zeh die 1600 Höhenmeter bergab etwas übelgenommen und war von der ständigen Reibung angeschwollen und empfindlich.
Nachdem wir es zum Glück ja aber nicht besonders eilig hatten mit unserem Trek (im Gegensatz zu vielen anderen, die nur zwei Wochen oder noch weniger eingeplant hatten), gönnten wir uns einfach einen Tag Auszeit in der hübschen Kleinstadt Muktinath.
Muktinath ist nicht nur bei Trekkern aus aller Welt bekannt, die dortigen Tempel gehören für Hindus und Buddhisten zu den größten Heiligtümern überhaupt. Wie es der Zufall so wollte, fiel unsere Auszeit ausgerechnet auf einen hinduistischen Feiertag (leider konnte ich nicht herausfinden, welchen). Plötzlich bevölkerten nicht mehr nur Trekker die Stadt, sondern Hunderte, nein Tausende Pilger aus Nepal und Indien.
Der Tempel selbst gehört wohl zu den merkwürdigsten religiösen Einrichtungen, die wir je besucht haben. Mittelpunkt des Geschehens ist ein Sammelsurium aus Wasserbecken, umrahmt von 108 Wasserspeiern. Sich hier zu waschen, hat wohl dem hinduistischen Glauben nach eine reinigende Wirkung im religiösen Sinne, weshalb die Pilger an diesem Tag zu Hunderten ins Wasser sprangen. Für die buddhistischen Pilger spielt dagegen eine von Erdgas gespeiste Flamme in einem kleinen Tempelgebäude die Hauptrolle, welches wir jedoch nicht betreten durften. Doch es war spannend genug, die endlosen Schlangen zu beobachten, die in den Tempel drängten, um ihre Opfer darzubieten! Wirklich ein einzigartiger Ort, dieses Muktinath.
Am nächsten Tag fühlten wir uns dann ausgeruht genug, uns an den langen Abstieg zu machen, der noch vor uns lag (Muktinath liegt immerhin noch auf 3800 Metern!). Am Anfang wehrte sich die Beinmuskulatur zwar noch ein wenig gegen die Bewegung, aber nach und nach fanden wir wieder zurück in unseren gewohnten Wanderrhythmus. Gerade der Vormittag dieses Tages belohnte uns mit wunderschönen, wenn auch kargen Anblicken der nepalesischen Bergwelt. Vor Allem der steile Abstieg vor Eklebhatti, der in das Flusstal des Kali Gandaki hinabführt, war atemberaubend!
Ganz anders der Nachmittag. Der Weg führte nun quer durch das vollkommen flache und sehr breite Bett des Flusses. Eine Wüste aus Geröll und Staub, ein bisschen so, wie man sich die Mondoberfläche vorstellt! Anders als auf dem Mond wehte hier allerdings nachmittags ein kräftiger Wind, der den Staub aufwirbelte und uns ins Gesicht blies. Die Augen tränten, die Zähne knirschten, wirklich kein angenehmes Gefühl! Hinzu kam, dass ich mir, im Bemühen meinen Zeh zu schonen, eine fiese Blase gelaufen hatte und jeder Schritt schmerzte. Scheinbar endlos zog sich der Weg, bis wir endlich Jomsom erreichten und in einem Gasthaus Schutz vor dem beißenden Wind fanden.
Am nächsten Morgen hatte sich der Wind gelegt und wir konnten weitergehen. Nachdem wir nun endlich den Regenschatten der Achttausender verließen, wurde die Umgebung endlich (!) wieder grüner. Nach Tagen in der Einsamkeit des Hochgebirges freuten wir uns über den Anblick von Bäumen, Sträuchern und sogar Gras, die nun die Landschaft dominierten. Wir gelangten zu einem Ort namens Marpha, gewissermaßen die Bodenseeregion Nepals, eine Hochburg des Apfelanbaus. Bekannteste Spezialität: Apfelbrandy. Natürlich kauften wir ein Fläschchen für den Feierabend ;-)
Doch auch an diesem Tag meinte es das Wetter nicht so wirklich gut mit uns. Gegen Mittag zogen immer dunklere Wolken auf, und schon bald fing es an zu nieseln. Nachdem wir bislang so viel Glück mit dem Wetter gehabt hatten, mussten wir nun doch einmal unsere Regenjacken auspacken. Die Laune war ziemlich auf dem Tiefpunkt, bis wir auf die Idee kamen, uns mit ein bisschen Gesang aufzuheitern. Lauthals sangen wir alles, was uns in den Sinn kam: von "Ein Bett im Kornfeld" über Beatles-Klassiker und "Alles aus Liebe" bis hin zu "Ein Loch ist im Eimer". Ich will gar nicht wissen, was die Nepalesen an diesem Tag über uns gedacht haben ;-)
Abends in unserer Lodge im winzigen Kokthetanti war es dann auch dem Wetter entsprechend kalt. Da kam uns der Apfelbrandy gerade recht - ein ordentlicher Schluck aus der Flasche und schon breitet sich ein kleines Feuer im Magen aus, das besser wärmt als alle Paar Socken übereinander :-) Ich bin ja sonst wirklich kein Fan von Schnaps, aber hier kam er mir wirklich gerade recht. Auf diese Weise angeheitert, gingen wir schon um sieben Uhr ins Bett und schliefen friedlich bis zum nächsten Morgen!
To be continued :-)



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