Sonntag, 6. April 2014

Rund um das Annapurna-Massiv, Teil 1

Guten Morgen liebe Leser, nach zwei Wochen kaltem Entzug ist es also soweit: wir sind wieder in der digitalen Welt. Damit kommt nun auch in meinen Blog wieder Leben, denn sicherlich freut ihr euch schon auf einen Bericht von unserer Wandertour im hoechsten Gebirge der Welt! Wenn ich heute an den Tag zurueck denke, als wir uns in Kathmandu auf den Weg gemacht haben, kann ich immer noch die Aufregung spueren, die sich an jenem fruehen Morgen in meinem Bauch breit gemacht hatte. Endlich sollte es losgehen! Das Leuchten in den Augen derjenigen, die den Trek gerade hinter sich gebracht hatten, liess vermuten, dass eine tolle Zeit auf uns wartete. Doch bis wir tatsaechlich loswandern konnten, sollte noch einige Zeit vergehen... Zunaechst einmal wartete naemlich eine abenteuerliche Busfahrt auf uns. Da man mit den komfortableren Touristenbusse nicht direkt nach Besi Sahar kommt(dem Startpunkt des Annapurna Circuits), sind wir eben mit einem "normalen" nepalesischen Bus dorthin gefahren. Dieser war vielleicht so um die zwanzig Jahre alt, aber im Vergleich zu dem, was wir in Afrika gesehen haben, noch ziemlich gut in Schuss. Nur die Sitze waren sehr klein, der Sitzabstand eher auf nepalesische Beinlaengen ausgelegt. Selbst ich stiess mit den Knien am Vordersitz an, Boerni konnte ueberhaupt nur sitzen, indem er sich diagonal in den Sitz quetschte und die Beine auf den Gang hinausstreckte. Da koennen einem sechs Stunden Busfahrt schon ganz schoen lang vorkommen... nie wieder beschwere ich mich ueber die Sitze in der Touristenklasse im Flugzeug! ;-) Dass es ueberhaupt sechs Stunden dauert, die 135km lange Strecke nach Besi Sahar zurueckzulegen, ist dem katastrophalen Zustand der nepalesischen Strassen geschuldet. Selbst in Kathmandu sind viele Strassen ein Konglomerat aus Schlagloechern, Betonplatten und Staub - ausserhalb kwinden sie sich auch noch unaufhoerlich bergauf und bergab, Zentimeter neben dem Bus geht es hunderte Meter steil den Berg hinunter! Es geht wirklich nur im Schneckentempo voran. Spaeter an diesem Tag haben wir denn auch einen Bus gesehen, der gerade mithilfe eines Krans aus dem Graben gezogen wurde. Doch wir blieben von Unfaellen verschont und erreichten sicher unser erstes Ziel, das kleine Staedtchen Besi Sahar. Ein Grossteil der Wanderer faehrt von hieraus noch einmal mit dem Jeep weiter, nach Bhulbhule oder sogar nach Chame - wir aber waren zu geizig, die mit 20 US-Dollar voellig ueberteuerte Fahrt zu bezahlen. Und ueberhaupt - waren wir nicht eigentlich zum Wandern hier? ;-) Also schnell die Genehmigungen am Checkpoint vorgezeigt und die Rucksaecke festgeschnallt und los ging es.
An diesem Nachmittag hatten wir Gesellschaft in Form eines jungen Ukrainers namens Roman. Spannend, seine Sicht auf die aktuellen Ereignisse auf der Krim zu erfahren! Die 9 Kilometer vergingen wie im Flug und nach knapp zweieinhalb Stunden erreichten wir unser erstes Ziel, Bhulbhule (uebrigens nur etwa 20 Minuten nach dem Jeep, in dem wir haetten fahren koennen :-) ). Im Heaven Guesthouse fanden wir unsere erste Unterkunft: ein spartanisches Zimmer mit zwei schmalen Betten und einem Tischchen. Doch die Besitzerin war freundlich und aufgeschlossen und verwoehnte uns mit einer nepalesischen Spezialitaet: Mo:mos, kleinen gefuellten Teigtaschen. Lecker! Wenig spaeter fielen wir nach diesem langen Tag todmuede ins Bett.
Der zweite Tag begann mit einem atemberaubenden Ausblick: morgens, wenn noch keine Wolken die Berge verhuellen, hatten wir von unserem Zimmer aus einen wunderschoenen Blick auf den Manaslu, den achthoechsten Berg der Erde! Voll Schwung starteten wir schon um halb acht in den Tag. Der Weg fuehrte zunaechst entlang des Flussbetts des Marsyangdi, oft auf der Strasse entlang, an Baustellen fuer Wasserkraftwerke und Strassenerweiterungen vorbei. Landschaftlich sicherlich noch nicht der schoenste Abschnitt auf unserem Weg, aber ein guter Einstieg ins Trekking, wuerde ich sagen. Die erste nennenswerte Steigung liess aber nicht lange auf sich warten: Bahundanda ist ein netter kleiner Ort auf dem Sattel eines Huegels, der uns ganz schoen ausser Atem brachte! Doch der Ausblick ins Tal bei einer Tasse heissem Milchtee entschaedigte uns schnell fuer die Muehen.
Im weiteren Verlauf des Tages kamen wir allerdings immer langsamer voran: Boerni hatte sich eine heftige Erkaeltung eingefangen und kaempfte ganz schoen mit den Steigungen, dazu zogen sich rabenschwarze Wolken am Himmel zusammen. Also entschieden wir: in Ghermu ist fuer heute Schluss! Gleich im ersten Guesthouse des Ortes fanden wir ein nettes kleines Zimmer (huebscher und billiger als am Vorabend), wo Boerni sich ausruhen konnte, waehrend ich von der ueberdachten Veranda aus das heftige Gewitter ueber dem Tal beobachtete. Das Abendessen wurde an diesem Tag denn auch bei Kerzenschein eingenommen, dank des Unwetters fiel ueber Stunden hinweg der Strom aus. Aber wer braucht schon Strom im Himmalaya? Kurz nach Einbruch der Dunkelheit waren wir ohnehin so muede, dass wir uns nur noch in unsere Schlafsaecke kuscheln und schlafen wollten.
To be continued :-)

1 Kommentar:

  1. Hallo ihr zwei,

    Schön, dass ihr es heil (mehr oder weniger) geschafft habt. Und dass hier wieder Leben in der Bude ist. Ich habe die tägliche Lektüre vermisst. ;) Freue mich auf die nächsten Annapurna-Berichte. Liebe Grüße. Christina

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