Freitag, 27. Juni 2014
Seltsam, aber schön
Sonntag, 22. Juni 2014
Il grande finale
Montag, 16. Juni 2014
Strand-Hopping am Cabo de Gata
Guten Morgen noch einmal!
Unsere Reise nähert sich langsam aber sicher ihrem Ende. Doch bevor wir nach Hause fahren, wollen wir auf jeden Fall noch einmal so viel Sonne wie möglich tanken! So knackigbraun wie in Thailand werden wir zwar vermutlich nie wieder, aber dennoch wäre es schön, wenn auch unser Teint von unserem extralangen Sommer zeugen würde. ;-)
Besonders schöne Strände findet man hier in Andalusien in und um Almería, insbesondere im Nationalpark "Cabo de Gata". Angeblich handelt es sich hierbei um die trockenste Ecke von ganz Europa, nur Kakteen und andere Sukkulenten wachsen hier noch. Auf den ersten Blick kein sehr anziehender Ort, sondern eine karge Einöde. Doch zwischen den trockenen Hügeln und dem leuchtend blauen Mittelmeer verstecken sich zahlreiche wunderschöne Strände, die oft nur zu Fuß zu erreichen sind.
Gegen Mittag machten wir uns von Almería aus auf den Weg. Wir passierten riesige Obst- und Gemüseplantagen, deren weiße Plastikzelte in der Sonne den Geruch von feuchter Erde ausstrahlten, und die Salinen, in denen noch heute Salz aus dem Wasser des Mittelmeers gewonnen wird. Zahlreiche Flamingos kann man hier beobachten, wie sie mit ihren Schnäbeln im flachen Wasser nach Nahrung suchen.
Bald danach erreichten wir einen alten Leuchtturm, den wir kurz besichtigen wollten. Der Strand dahinter erwies sich allerdings als so einladend, dass aus dem kurzen Stopp gleich ein ausgiebiges Sonnenbad wurde! :-) Auch das Wasser ist uns mittlerweile warm genug, so dass ich mich mit einem Sprung ins kühle Nass erfrischen konnte.
Der größten Hitze in der Mittagszeit entflohen wir, indem wir mit weit geöffneten Fenstern durch den Park fuhren, durch kleine Dörfer und über abenteuerliche Küstenstraßen, mit dem Meer immer im Blick und dem Wind in den Haaren. Dann erreichten wir einen der angeblich schönsten Strände des Parks, die "Playa de los Genoveses". Von zwei Halbinseln auf beiden Seiten begrenzt liegt der Strand in der Tat sehr schön und bietet vor allem ein flaches Ufer, an dem man relativ weit ins Meer hinaus spazieren kann. Nur die Algen, die hier gerade angespült wurden, trübten das Bild ein wenig. Dennoch gönnten wir uns noch einmal ein Bad und eine Stunde in der Sonne, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Ein herrlicher Tag!
Que vergüenza!
Guten Morgen liebe Leser!
Endlich ist es wieder soweit: die Fußball-Weltmeisterschaft hat begonnen! Leider sind wir nun zwar nicht wie zwischendurch geplant in Brasilien live mit dabei, aber für die Spiele interessieren wir uns natürlich trotzdem!
Da wir gerade in Andalusien sind, wollten wir uns natürlich den ersten Auftritt der spanischen Mannschaft nicht entgehen lassen. Von deutschen Fussballtraditionen geprägt, machten wir uns gut eine Stunde vor Anpfiff auf den Weg, um eine Bar zu finden, in der wir das Spiel ansehen konnten. Aber was war das? Statt voller Bars erwarteten uns leere Stuhlreihen und freie Tische, selbst direkt vor den überall aufgestellten Fernsehern. Entweder halten die Spanier nichts davon, Fußball in der Öffentlichkeit zu schauen, oder der größte Teil der Fans hatte sich an einem Ort versammelt, von dem wir nichts wussten. Jedenfalls waren uns alle Bars im näheren Umkreis unserer Übernachtung eher zu leer als zu voll. ;-)
Schließlich ließen wir uns in einer kleinen Tapas-Bar nieder, in der sogar noch ein Tisch unmittelbar vor dem großen Flachbildschirm frei war und bestellten uns etwas zu trinken. Zu diesem Zeitpunkt war nur ein einziger weiterer Gast anwesend, ein Mann am Nachbartisch, der uns (vermutlich wegen unseres "unspanischen" Aussehens) gleich erst einmal fragte, ob wir denn auch für Spanien seien. Selbstverständlich antworteten wir brav mit "ja" :-)
Das Spiel, das die meisten von euch wohl auch gesehen haben, begann denn ja auch für die Spanier sehr zufriedenstellend. 40 Minuten lang herrschte am Nachbartisch und bei den Kellnern allerbeste Laune. Doch dann holten die Holländer zum Gegenschlag aus, und während wir uns bei jedem Tor heimlich freuten, kippte die Laune um uns herum ins Gegenteil. Nach dem 4:1 wollte sich einer der Kellner das Trauerspiel nicht länger ansehen und zog sogar kurzzeitig den Stecker :-) Ein anderer fand keine anderen Worte mehr als ein entsetztes "Que vergüenza!" ("Welche Schande!").
Am nächsten Tag zierte die Sportzeitung "Marca" ein komplett schwarzes Titelblatt. Doch mittlerweile zeigen sich die Spanier zunehmend solidarisch mit ihrer Mannschaft, überall hört man jetzt "La roja si puede!" ("Die Roten können es doch!"). Ob sie Recht haben, werden wir am Mittwoch sehen, wenn Spanien gegen Chile antritt. Auf welcher Seite wir beide stehen werden, ist klar! ;-)
Freitag, 13. Juni 2014
Von Wachteln und Schnecken
Guten Abend liebe Leser,
Vier Tage haben wir in Sevilla verbracht. Neben den zahlreichen touristischen Attraktionen wie zum Beispiel der größten Kathedrale der Welt stand die kulinarische Tradition dieser Stadt im Mittelpunkt unseres Besuchs. Schon am ersten Tag unseres Aufenthalts entdeckten wir eine kleine Bar, in der es zu jeder Tageszeit vor Gästen nur so wimmelte. Schnell fanden wir den Grund: egal ob Spinat in würziger Käsesauce, hausgemachte Kroketten oder Brötchen dick mit Schinken belegt, die Tapas schmeckten hier einfach fantastisch! Dazu ein Glas eisgekühlter "Tinto de Verano" - eiskalter Rotwein mit Zitronenlimonade, ein Getränk, das vermutlich nur hier unter der heißen Sonne des Südens Spaniens so richtig schmeckt :-) Mehr als einmal quetschten wir uns zwischen die zahlreichen Gäste an der Bar, um dem Kellner unsere Bestellung ins Ohr zu brüllen. Auch wenn wir nie den Eindruck hatten, dass er uns überhaupt zuhörte, wir bekamen doch immer was wir wollten :-)
Noch außergewöhnlicher war allerdings das Essen in der Bar "Ruperto" in die uns unsere Gastgeber Laura und Felix entführten. Von außen ist diese Bar wenig verlockend: weiße Plastiktische, keine Sitzgelegenheiten, und überall auf dem Boden liegen Servietten und Essensreste, so dass es ein bisschen aussieht wie am Würstchenstand im Stadion am Ende der Halbzeitpause :-)
Doch wer schon einmal in Spanien war, der weiß, dass hier die schmutzigsten Bars oft das beste Essen servieren, und auch in diesem Fall ist das "Ruperto" in ganz Sevilla berühmt. Wer hierher kommt, möchte im Normalfall nur eines essen: knusprig gegrillte Wachteln.
Keine zwei Minuten nach der Ankunft hatten auch wir jeweils eines dieser winzigen Vögelchen vor uns liegen. Bisher hatte ich noch nie eine Wachtel gegessen, also probierte ich vorsichtig eines der mageren Beinchen. Der Geschmack? Durchaus lecker, knusprig, ein bisschen wie die leckeren Grillhendl vom Volksfest, aber jetzt auch nicht soooo außergewöhnlich, dass ich dafür durch ganz Sevilla fahren würde :-)
Die zweite Spezialität, die unsere Gastgeber uns kredenzten, war da schon eine andere Hausnummer: ein großer Teller Schnecken. Auf die Tatsache, dass man bei genauerem Hinsehen noch die kleinen Gesichter mit den "Antennen" auf den Köpfen sehen konnte, war ich ja noch gefasst gewesen, aber der Anblick, wenn man die gekringelten Körper aus dem Schneckenhaus zieht... aus Anstand habe ich eine Schnecke hinuntergewürgt, aber anfreunden kann ich mich damit nun wirklich nicht. Börni hatte da allerdings weniger Hemmungen und hat gleich den ganzen Teller leergeputzt :-) Dennoch ist die andalusische Küche mit Sicherheit eine der besten auf unserer Reise!
Sonntag, 8. Juni 2014
Ein verrückter Tag
Guten Abend noch einmal,
Nach unserem Ausflug nach Gibraltar wollten wir uns am nächsten Tag eigentlich an einen der berühmten Strände von Tarifa legen und das süße Nichtstun genießen. Doch die Sonne versteckte sich immer wieder hinter den Wolken und ein kräftiger Wind wehte durch die Stadt. So kam es, dass wir uns kurzfristig entschieden, einen Whale Watching-Ausflug zu machen! Bei einem bedrückenden Vortrag klärte uns die Stiftung, die die Ausflüge anbietet und die Wale und Delfine in der Straße von Gibraltar erforscht, zunächst einmal über die traurigen Realitäten des Fischfangs und des Schiffsverkehrs auf, unter denen die Tiere leiden. Dann ging es im Schnellboot hinaus aufs Meer.
Zu Beginn geschah nicht viel, und ich hatte schon die Befürchtung, auf dieser Fahrt nicht allzu viele Meeressäuger zu Gesicht zu bekommen, als plötzlich ein Ruck durchs gesamte Boot ging und alle Passagiere auf die linke Seite strömten. Ein Wal war gesichtet worden! Schnell stellte sich heraus, dass es nicht nur einer war, sondern gleich eine Gruppe von fünf Tieren, und es waren nicht irgendwelche Wale, sondern Finnwale, die zweitgrößten Tiere der Welt! Selbst die Praktikantin der Stiftung, die seit vier Wochen tagtäglich auf dem Boot gewesen ist, war völlig aus dem Häuschen, denn eine so große Gruppe hat echten Seltenheitswert! Zu unserer Freude blieben die Tiere eine ganze Weile an der Oberfläche, sie schwammen parallel zu unserem Boot, so dass wir wunderbar beobachten konnten, wie sich ihre endlosen Rücken aus dem Wasser hoben. Auch ein Jungtier war dabei, das seiner Mutter nicht von der Seite wich. Ich hätte ihnen ewig zusehen können.
Doch der Ausflug hielt noch weitere Überraschungen für uns bereit: einen Pottwal, eine große Gruppe Tümmler und eine kleinere Gruppe der putzigen Grindwale besuchten uns ebenfalls! Mit so vielen Sichtungen hatten wir keinesfalls gerechnet, und alle an Bord waren schwer begeistert.
Am Nachmittag fuhren wir dann weiter nach Cadiz, wo wir uns für die Nacht über Airbnb bei Elsa und Staan einquartiert hatten. Wie sich bei unserer Ankunft herausstellte, hatten sie das Haus - ein ehemaliges Waisenhaus - gerade erst bezogen, und so wirkte alles noch etwas improvisiert. Doch die beiden waren super nett und luden uns für den Abend zum Paellakochen in das Hostel ein, in dem Staan arbeitet. Das machte das Chaos im Haus locker wieder wett. :-) Allerdings gab es ein paar Probleme mit den brandneuen Schlüsseln: als wir nachts nach Hause kamen, konnten wir unser Zimmer nicht aufschließen! Im Haus lagen zwar überall Schlüssel, doch der richtige war leider nicht dabei. Staan und Elsa waren noch nicht zu Hause, doch da wir wussten, wo wir sie finden würden, machte ich mich letzten Endes mitten in der Nacht auf die Suche nach ihnen! Zum Glück traf ich sie einige Straßen weiter, und sie eilten sogleich mit mir nach Hause, um mit uns nach dem richtigen Schlüssel zu suchen, der sich schließlich in einer Tüte in ihrem Büro fand ;-) Todmüde fielen wir dann gegen ein Uhr schließlich ins Bett.
Samstag, 7. Juni 2014
Eine Reise in die Vergangenheit
Guten Abend liebe Leser,
Von Ronda aus sind wir an einen Ort gefahren, den ich schon sehr gut kenne - Gibraltar. Im Rahmen meiner Magisterarbeit habe ich 2009 einige Wochen dort verbracht und so war ich gespannt, was sich verändert hatte und was noch meiner Erinnerung entsprechen würde.
Schon aus der Ferne grüßte uns "The Rock", der riesige Felsen, an dessen Ufer sich Gibraltar schmiegt. Der Weg dorthin hat sich in den letzten Jahren wenig verändert - noch immer muss man die Landebahn des Flughafens überqueren, um in die Stadt zu gelangen. Wir hatten Glück - unmittelbar nach uns wurde der Übergang gesperrt und wir konnten die Landung eines A320 der Monarch Air aus nächster Nähe bestaunen!
Eine Welle der Erinnerungen überflutete mich, als wir wenig später den Casemates Square am Beginn der Haupt-Einkaufsstraße erreichten. Hier habe ich damals Tag für Tag gestanden und Fragebögen an die Gibraltarianer verteilt ;-) Erstaunlicherweise sieht es hier noch exakt so aus wie damals, dieselben kleinen Restaurants bieten Fish&Chips für die zahllosen Kreuzfahrttouristen, Duty Free Geschäfte verkaufen ihnen günstigen Alkohol und Zigaretten. Alles ist auf eine merkwürdige Art und Weise britisch, von den roten Telefonzellen über die Straßenlaternen und die britischen Modeläden, die die Straßen säumen. Hier wird sogar mit Pfund bezahlt, mit Noten, die exklusiv für Gibraltar gedruckt werden (aber natürlich auch im Rest Großbritanniens gültig sind). Nur die Geräuschkulisse verrät, wo man sich befindet: das sanfte Bellen der englischen Sprache mischt sich mit den schnatternden Tönen des Spanischen.
Die meisten "Attraktionen" der Stadt lassen wir links liegen, nur auf den Felsen von Gibraltar wollen wir. Vor fünf Jahren bin ich noch hoch gelaufen, diesmal gönnen wir uns die Fahrt mit der Seilbahn :-) Die Sicht ist nicht optimal, dennoch können wir in der Ferne klar und deutlich Afrika erkennen, den Kontinent, auf dem unsere Reise vor so langer Zeit begonnen hat. Lange starren wir auf die andere Seite und denken an all die verrückten Dinge, die wir dort erlebt haben, bevor wir uns an den Abstieg machen. Wir begegnen natürlich den omnipräsenten Berbermakaken, aber auch einem Einwohner des Felsen, mit dem wir nicht gerechnet hatten: eine Schlange! Nach unseren Schlangenbegegnungen in Australien und Asien ist es das vierte Mal, dass wir einem dieser unheimlichen Tiere begegnen. Und dieses Mal sind wir wirklich nah dran: nur einen Meter vor uns schlängelt sie sich gemütlich über den Weg, von unserer Abwesenheit vollkommen ungerührt. Unheimlich!
Schließlich sind wir zurück in der Stadt, und unsere müden Füße haben für einen Tag genug vom Laufen - wir sind froh, als wir unser Auto erreichen, und freuen uns auf einen ruhigen Abend. :-)
Dienstag, 3. Juni 2014
Ronda - eine Stadt am Abgrund
Auf den Spuren Picassos
Sonntag, 1. Juni 2014
Kulturschock rückwärts
Hallo liebe Leser,
Liebe Grüße aus Malaga, Spanien! Seit einer Woche sind wir also zurück in Europa. Was für eine Umstellung!
Das erste, was uns auffiel, als wir in Malaga aus dem Flieger gestiegen sind, war der Temperaturunterschied. Obwohl es hier mit 25-30 Grad keinesfalls kalt ist, mussten wir uns nach Wochen der Tropenhitze erst wieder eingewöhnen. Das Schöne an den gemäßigteren Temperaturen hier am Mittelmeer - man kann sich problemlos den ganzen Tag lang draußen aufhalten und muss sich nicht über die Mittagszeit in heruntergekühlten Hotelzimmern verstecken. Und wo verbringt man die sonnige Zeit am besten? Natürlich am Strand! Nur das Wasser ist uns zum Baden doch ein bisschen kalt hier ;-)
Eine weitere Überraschung war für uns, wie ruhig es hier doch eigentlich ist. Spanien ist ja im europäischen Vergleich kein besonders leises Land, doch im Vergleich zu dem alltäglichen Lärmpegel indischer Großstädte herrscht hier in Malaga geradezu himmlische Ruhe. Am Anfang war uns das fast ein bisschen unheimlich, so sehr hatten wir uns an die allgegenwärtige Geräuschkulisse gewöhnt! Kein Hupen, keine bettelnden Kinder, keine schrille Bollywoodmusik... nur die Touristenschlepper, die gibt es auch hier ;-)
Apropos Hupen: mit dem europäischen Straßenverkehr haben wir noch so unsere Probleme. Auf einmal gibt es wieder Gehsteige, Radwege und Ampeln, und alle halten sich an die Spielregeln. Allerdings kommen die Autos nach neun Monaten Linksverkehr auf einmal scheinbar von der falschen Seite, und es fällt uns immer noch schwer zu glauben, dass sie am Zebrastreifen wirklich anhalten. Den einen oder anderen panischen, aber vollkommen unnötigen Sprung zur Seite haben wir in den letzten Tagen noch hingelegt ;-)
Am meisten beeindruckt es mich aber, wie geordnet es hier in Europa doch zugeht. Die Straßen sind blitzsauber und die Luft ist so klar, dass das Licht der Sonne eine ganz andere Qualität hat. Die Häuser erscheinen mir riesig und sehen so unfassbar gepflegt aus, und das Wasser aus der Leitung kann man trinken, ohne sich den Tod zu holen. Sogar die Tatsache, dass aus dem Duschkopf wieder heißes Wasser kommt, ist für uns nach vier Monaten in Asien alles andere als eine Selbstverständlichkeit!
Es ist ein schönes Gefühl, wieder in heimatlicheren Gefilden zu sein :-)
Montag, 26. Mai 2014
Europa ruft!
Namaste liebe Leser,
Nach sechs Wochen in Indien und insgesamt etwa vier Monaten im asiatischen Raum ist für uns die Zeit gekommen, zu neuen Ufern aufzubrechen. Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich am Flughafen von Delhi und frage mich selbst, was ich denn nun eigentlich halte von dieser größten Demokratie der Welt.
Im Prinzip fällt mir nur ein einziges Wort ein, mit dem man dieses Land beschreiben kann: überwältigend. Indien ist nicht wie andere Länder. Indien nimmt den Besucher vom ersten Tag an ganz und gar gefangen. Ich wage sogar zu behaupten, Indien ist das bunteste, verrückteste und schnelllebigste Land auf dieser Welt. So sehr wir das Chaos auf Indiens Straßen manchmal verflucht haben, so sehr werde ich das Durcheinander aus Chai- und Omeletteverkäufern und Touristenschleppern, aus den bunten Saris der Frauen und den schmutzigen Gesichtern der Kinder vermissen. Jedes andere Land wirkt blass gegenüber dem Abenteuer Indien.
Bezeichnend, dass es Indien gelungen ist, uns heute ganz zum Schluss noch einmal zu überraschen. Zum einen mit einer der schlimmsten Taxifahrten meines Lebens. Vieles haben wir gerade auf asiatischen Straßen schon über uns ergehen lassen müssen, doch als unser Taxifahrer mit sechzig Sachen im Slalom rund um die gigantischen Betonsäulen der Metro raste, nur um anschließend mit Kleinlastern und Rickschas eine Art Straßen-Tetris zu spielen, habe ich mich dann doch am (abgeschnittenen) Gurt festgeklammert und ein Stoßgebet zum Himmel geschickt. Wundersamerweise heil angekommen, folgte dieser irren Fahrt einer der für Indien so typischen Gegensätze. Das Taxi setzte uns vor einem Terminal des Flughafens von Delhi ab, das mit seiner Modernität und Sauberkeit so einige europäische Airports vor Neid erblassen ließe. Und diese himmlische Ruhe in den majestätischen Hallen! Ich werde aus diesem Land einfach nicht schlau.
Trotz aller Faszination, die Indien nach wie vor auf mich ausübt, freue ich mich in diesem Augenblick aber auch wahnsinnig auf unser nächstes Ziel: Spanien. Ihr könnt euch nicht vorstellen, welche Anziehungskraft beispielsweise der Gedanke an westliche Supermärkte momentan auf uns ausübt! Oder die Freude auf ein Land, in dem wir nicht kontinuierlich von allen Seiten angestarrt werden, als wären wir irgendwelche Hollywood-Superstars (oder grüne Marsmännchen, würde auch keinen Unterschied machen). Nach neun Monaten in der Ferne haben wir manches zu schätzen gelernt, das wir vorher für selbstverständlich hielten, und so sage ich nun voller aufrichtiger Vorfreude: Europa, wir kommen! ;-)
Geschrieben am 24.05.2014, 00:45 Uhr, Flughafen Delhi
Mittwoch, 21. Mai 2014
Auf dem Rücken eines Kamels
Guten Morgen liebe Leser,
Das kleine Städtchen Jaisalmer markiert den westlichsten Punkt der Bahnstrecke, die von Delhi aus den Bundesstaat Rajasthan durchquert. Mitten in der Wüste gelegen und von einem weiteren massiven Fort aus vergangenen Zeiten gekrönt, gäbe es eigentlich keinen Grund hierherzukommen, wären findige Geschäftsleute nicht auf die Idee gekommen, Touristen einen kleinen Einblick in das Leben in der Wüste zu geben.
Dank der enormen Hitze von vierzig Grad und mehr waren jetzt im Mai allerdings nur wenige Touristen auf den Straßen zu sehen - ein Glück, den so wirkte die Stadt lange nicht so überlaufen, wie sie es in der Hochsaison sein muss. Viele Restaurants und Tourenanbieter hatten bereits geschlossen, und die Einwohner Jaisalmers konzentrierten sich mehr auf ihren Alltag denn darauf, Touristen unnütze Souvenirs anzudrehen.
Das Fort von Jaisalmer wird heute noch bewohnt - ein lebendiges Denkmal und nicht nur ein für Anschauungszwecke konserviertes Relikt. Die schmalen Gassen zwischen sandsteingelben Gebäuden bieten Schutz vor der unerbittlichen Sonne, hinter jeder Ecke wartet eine kleine Überraschung: ein Jahrhunderte alter Tempel, eine kunstvoll ausgearbeitete Hausfront oder der Blick über die Stadtmauern hinweg in die weiten Ebenen der Thar-Wüste, die uns hier noch vom Nachbarn Pakistan trennt.
In eben diese Wüste begaben wir uns am nächsten Tag. Ein Jeep brachte uns aus der Stadt hinaus zu dem Punkt, an dem wir auf unser eigentliches Fortbewegungsmittel umsteigen sollten: Kamele! Die Tiere saßen am Straßenrand im Sand und warteten auf uns. Schon in dieser Position war zu erahnen, wie groß so ein Kamel tatsächlich ist, denn der Sitz befand sich in etwa auf Höhe meines Bauchnabels, und der Aufstieg muss dementsprechend wenig damenhaft gewirkt haben :-)
Kaum saß ich im Sattel, begann das Tier, sich aufzurichten. Zunächst streckte es seine Hinterbeine, wodurch der Rücken, auf dem ich mich nun panisch am Rand des Sattels festzuklammern versuchte, in erhebliche Schieflage geriet. Dann folgten mit Schwung die Vorderbeine, was zwar mit heftigem Gewackel verbunden war, mich aber zumindest wieder in eine halbwegs aufrechte Position zurückbrachte!
Nachdem ich mich an den schaukelnden Gang des Kamels gewöhnt hatte, begann ich diesen Ausflug dann aber doch zu genießen. Langsam überquerten wir sandige Dünen und Ebenen voller Dornenbüsche, und ich genoss die Stille in meinen Ohren und den Wind in meinem Haar. Viel zu bald erreichten wir den Platz, an dem wir die Nacht verbringen würden, eine Ebene am Rande eines Dünenfeldes. Unser Kamelführer Ali begann mit der Vorbereitung des Abendessens und erzählte ein wenig aus seinem Leben. Mit gerade einmal zehn Jahren hat er begonnen, Kamelsafaris zu begleiten, seit seinem fünfzehnten Lebensjahr als Kamelführer. Heute, mit 25, träumt er davon, sein eigenes Kamel zu erwerben, nur noch wenige tausend Rupien trennen ihn von diesem Ziel. Nach dem Abendessen, mit einfachsten Mitteln über dem offenen Feuer gekocht, spazierten wir die Dünen hinauf, um einen Blick auf den Sternenhimmel zu werfen, der über uns leuchtete. Wir unterhielten uns so gut, dass wir gar nicht bemerkten, wie Wolken aufzogen, erst ein kräftiger Windstoß, der uns den Sand in die Augen blies, trieb uns zurück in die Ebene. Dort machten wir es uns in unseren viel zu kurzen Feldbetten gemütlich und schliefen unter freiem Himmel.
Der nächste Tag ähnelte seinem Vorgänger, auf dem Rücken unserer Kamele streiften wir durch die Wüste. Wir sahen zu, wie unsere Kamelführer Wasser mühevoll aus einem tiefen Brunnen schöpften und passierten ein Wüstendorf, in dem die Frauen große Töpfe auf ihren Köpfen balancierten. Als wir gegen Mittag dann unser Ziel erreichten, ein schattiges Plätzchen zwischen Büschen voller Pfauen, war ich aber doch ganz froh, von meinem Kamel heruntersteigen zu dürfen - Beine und Rücken schmerzten von der ungewohnten Sitzhaltung. ;-) Nach einem Nickerchen und einem würzigen Mittagessen ging es schließlich zurück in die Stadt. Ein toller Ausflug!
Freitag, 16. Mai 2014
Stahlseil mit Aussicht
Hallo liebe Leser,
Unsere Abreise aus Jaipur gestaltete sich weniger einfach als erwartet, unser Zug hatte nämlich fünf Stunden Verspätung. Dadurch verzögerte sich unsere Ankunft in Jodhpur bis tief in die Nacht. Erst gegen 22:30 Uhr erreichten wir unser Hostel, welches - allen positiven Bewertungen im Internet zum Trotz - das wohl schmutzigste Badezimmer unserer Reise aufwies. :-( Doch so spät in der Nacht wollten wir nicht mehr umziehen. Aufgrund der späten Uhrzeit musste auch das Abendessen entfallen.
Am nächsten Morgen wollten wir das mit einem ordentlichen Frühstück wettmachen. Doch da die Reisezeit hier in Rajasthan schon so gut wie vorbei ist, hatten viele Restaurants bereits geschlossen. So blieb uns für unser Frühstück nur eine Empfehlung aus dem Lonely Planet: Vicky Chouhan's Omelette Shop. Der winzige Stand bietet nur ein einziges Gericht: Omelettes in allen Variationen. Das war zwar nicht unbedingt, was wir uns vorgestellt hatten, doch immerhin war das Essen gut und sättigend, so dass wir anschließend mit dem Sightseeing beginnen konnten.
Jodhpur hat, wie so viele indische Städte, ein großes Fort über der Stadt zu bieten. Nachdem wir schon so viele ähnliche Gebäude gesehen hatten, überlegten wir kurz, gar nicht erst hinaufzugehen - ein Glück, dass wir es doch getan haben! Von allen Forts war Mehrangarh das schönste, mit reich verzierten Sandsteinmauern und einer atemberaubenden Aussicht über die "blaue Stadt"!
Auf dem Gelände des Forts gibt es auch eine "Flying Fox" genannte Attraktion - sechs lange Seilbahnen durchziehen das Gelände, die man ähnlich wie in einem Hochseilgarten hinabrasen kann. Mit einem wundervollen Blick über die Stadt natürlich!
Das wollte ich unbedingt erleben, doch vor der ersten Seilrutsche rutsche mir dann doch das Herz in die Hose. Bestimmt fünfzig Meter lang war das Seil, es führte über Bäume und Abhänge hinweg zu einem anderen Teilstück des Forts. Doch nachdem sich ein junges indisches Mädchen ohne jedes Zögern in das Abenteuer gestürzt hatte, wollte ich nicht als Feigling dastehen. Also Augen zu und durch! In dem Moment, in dem meine Füße den sicheren Grund verließen, war mir ganz schön mulmig zumute, doch als ich die tolle Aussicht auf die leuchtend blauen Häuser der Altstadt bemerkte, begann ich die Sache zu genießen! Die verbleibenden fünf Seilrutschen waren dann nur noch ein Riesenspaß ;-)
So hat sich eine Stadt, die auf den ersten Blick wenig spannend erschien und die wir eher als einen kurzen Zwischenstopp auf einer langen Fahrt in Richtung Westen angesehen hatten, als einer der nettesten Orte unserer Tage in Indien entpuppt!
Montag, 12. Mai 2014
Jaipur - Stadt der Grapscher
Mittwoch, 7. Mai 2014
Ich versteh nur Bollywood
Guten Abend liebe Leser!
Nach neun wunderbar erholsamen Tagen im Anand Prakash Ashram in Rishikesh sind wir vorgestern spät abends in Delhi angekommen. Der Unterschied könnte größer kaum sein. Hier (für indische Verhältnisse) idyllische Ruhe, Yoga, Meditation und Entspannung, dort Menschenmassen, Lärm und zahllose Touristenschlepper :-)
Dennoch gefällt uns Delhi überraschend gut. Ich kann mich nicht erinnern, auf unserer Reise eine vielfältigere Stadt gesehen zu haben als diese! Da wäre zum einen Old Delhi mit seinen imposanten kulturellen Relikten wie dem Roten Fort.
Auch wenn dieses bestenfalls ein bescheidener Verwandter des beeindruckenden Forts in Agra ist, so zeugt es doch von der historischen Bedeutung dieser Stadt. Dann gibt es das Regierungsviertel in New Delhi mit den britischen Prachtbauten und seinen schnurgeraden, baumgesäumten Straßen. Errichtet um die Macht der Briten über den indischen Subkontinent zu demonstrieren, dient es nun schon viel länger den Indern als seinen Erbauern. Modernes Herz dieser kosmopolitischen Stadt wiederum bildet der in Segmente zerteilte Connaught Place mit seinen internationalen Geschäften, sündhaft teuren Restaurants und noch teureren Bars.Nur eins ist in allen Vierteln gleich - es ist heiß. Unerträglich heiß. Bei über 40 Grad lief uns der Schweiß in Bächen die Rücken hinab, und so entflohen wir heute Nachmittag der drückenden Hitze für ein paar Stunden in die verlockende, dunkle Kühle eines Kinosaals.
Natürlich sollte es ein indischer Film sein, und die Auswahl fiel auch nicht schwer - in allen Kinos lief dieselbe Produktion: 2 States. Zwar nur auf Hindu ohne englische Untertitel, doch das war kein Problem. Die Handlung lässt sich ohnehin auf einem Post-it umfassend beschreiben: ein junges Paar lernt sich an der Universität kennen und lieben, doch die kulturellen Unterschiede ihrer Familien (er aus Punjabi im Norden, sie aus Tamil Nadu im Süden) stehen ihrer gemeinsamen Zukunft im Weg. Mit Geschick und Glück überzeugen sie jedoch zuerst die eine, dann die andere Seite, dass sie zusammen gehören, und feiern am Ende eine rauschende Hochzeit.
Spannend für uns war jedoch, wie viel dieser Film über die indische Gesellschaft und ihre Gedankenwelt aussagt. Sei es der nordindische Patriarch, der Frau wie Sohn mit Ohrfeigen auf den richtigen Weg zu bringen versucht oder der Versuch der südindischen Eltern, die Heirat ihrer Tochter mit einem angemessenen Ehegatten zu arrangieren - die Unterschiede zu unseren kulturellen Vorstellungen wurden uns geradezu auf dem Silbertablett serviert. Damit es auch ja nicht langweilig wurde, garniert mit den typischen Bollywood-Tanzeinlagen zu jeder passenden (und unpassenden) Gelegenheit. Wer wissen möchte, wie Indien tickt, sollte sich diesen Film unbedingt ansehen!
Mittwoch, 30. April 2014
Ashram fuer Anfaenger
Dienstag, 29. April 2014
Agra - Stadt der Weltkulturerbestaetten
Samstag, 26. April 2014
Im Nachtzug nach Agra
Varanasi
Sonntag, 20. April 2014
Indien
Guten Morgen liebe Leser,
bitte verzeiht mir, dass ich so lange nichts habe von mir hören lassen. Doch Indien hat mir einfach die Sprache verschlagen! Seit bald einer Woche halten wir uns in diesem einzigartigen Land auf, doch mir fehlen einfach die Worte, meine Eindrücke treffend zu beschreiben. Trotzdem will ich es heute versuchen. :-)
Wir sind gerade in Varanasi, der heiligsten Stadt Indiens. Wer hier stirbt, so glauben die Hindus, wird vom ewigen Zyklus von Tod und Wiedergeburt erlöst. Ein ganz besonderer Ort also, selbst für indische Verhältnisse.
Unsere Ankunft hier erfolgte nach einer scheinbar endlosen Reise mit Bus, Jeep und Zug und einer schlaflosen Nacht in Gorakhpur, in einem Zimmer voller Kakerlaken. Umso schwerer viel es uns, die Eindrücke zu verarbeiten, die auf diesem Ort auf uns einprasselten. Die Altstadt von Varanasi ist ein Gewirr schmaler Gassen, durch die sich Pilger, Einheimische, Touristen und Tiere gleichermaßen drängen. Nicht nur die heiligen Kühe sind allgegenwärtig, auch Ziegen und Hunde bevölkern die Wege. Es gilt, Vorsicht walten zu lassen bei der Wahl der nächsten Schritte, die Hinterlassenschaften der tierischen Bewohner sind eine allgegenwärtige Gefahr für die Sauberkeit unserer Schuhe. Auch Mülleimer sucht man vergeblich, was man nicht mehr braucht, wirft man einfach auf den Boden. Die Fliegen freuen sich. Falls die Männer, die mit Schaufel und Karren nachts die Straßen säubern, jemals streiken sollten, versinkt diese Stadt binnen Tagen im Dreck!
Interessanter noch als der Anblick der Gassen ist jedoch die Geruchswelt, die uns unmittelbar nach unserer Ankunft umfängt. Noch nie habe ich so viele verschiedene Gerüche auf so engem Raum erlebt wie hier. Riecht es an einer Straßenecke noch so köstlich nach würzigem Masalatee, keine zehn Meter weiter wird dieser Duft vom strengen Geruch der Kuhfladen abgelöst. Hinter der nächsten Ecke duften die Blumen, die einen kleinen Tempel zieren. Nie weiß die Nase, worauf sie sich einstellen soll.
Und dieser Lärm! "Der Inder hat keine Ohren", hatte uns ein Bekannter in Nepal gewarnt. Muhende Kühe unterm Fenster, laute Bollywood-Musik um Mitternacht, dazu die unzähligen Schlepper, die uns zu Bootstouren, Hosenkäufen, Drogenexperimenten und was weiß ich noch allem überreden wollen.
Kurzum: Indien ist ein Land, dass uns vollkommen fordert, manchmal sogar überfordert. Doch wenn man sich erst einmal an den unglaublichen Trubel gewöhnt hat, beginnt man auch, die Schönheit dieses Landes zu sehen: die leuchtend bunten Saris und Punjabis der indischen Frauen, die fröhlich grüßenden Kinder, die Spiritualität, die hier im Alltag einen ganz anderen Stellenwert einnimmt als bei uns. Man sagt, Indien könne man nur lieben oder hassen. Ich glaube, ich bin verliebt.
Dienstag, 15. April 2014
Chitwan National Park - das andere Nepal
Hallo noch einmal,
Nach fünf Tagen in Kathmandu, die wir hauptsächlich damit verbracht haben, unsere nächsten Reiseabschnitte zu planen und es uns in den zahllosen Restaurants gutgehen zu lassen, sind wir am Samstag in das Terai gefahren, bekannt als "das andere Nepal". Statt karger Berge beherrscht hier tiefgrüner Dschungel die Landschaft. Es ist tropisch heiß und unfassbar feucht.
Wir buchten eine ganztägige Jeep Safari, die uns tief hinein in diesen nepalesischen Dschungel bringen sollte. Schon um Viertel nach sechs machten wir uns auf den Weg. Der Park ist durch einen Fluss von Sauraha getrennt, dem Dorf, in dem wir die Nacht verbracht hatten. Am Vorabend hatten wir hier schon die ersten Krokodile gesehen, so früh am Morgen ließ sich zum Glück noch keines blicken. Dennoch war es ein unheimliches Gefühl, in einem flachen Kanu zur anderen Seite überzusetzen.
Noch lag über dem Wald ein dichtes Nebelfeld, das dem Morgen eine surreale Note gab. Ein kühler Wind strich uns über die Haut, die Sonne stand als glutroter Ball knapp über dem Horizont. Das einzige Geräusch, das wir hörten, war das unablässige Knattern des Jeeps. Gespannt warteten wir darauf, die ersten Bewohner des Parks zu sehen. Doch bis auf ein paar Rehe, für den Europäer nicht gerade die außergewöhnlichsten Tiere, gab es nichts zu sehen. Erst als ein paar Herren kurz austreten waren, wie man so schön sagt, sah ich plötzlich zwei Nashörner auf uns zu kommen! Erstaunlich, wie schnell die Herren wieder zurück auf dem Jeep waren :-) Nach dieser ersten Begegnung sahen wir die imposanten Tiere immer wieder. Auch ein Bison konnten wir entdecken.
Die Sonne stieg höher und löste den Nebel auf, der uns so lange eingehüllt hatte. Es wurde drückend heiß. Der Fahrtwind kühlte zwar unsere Gesichter, doch die Nacken waren den Strahlen erbarmungslos ausgesetzt. Es wurde Zeit für eine Mittagspause. Unser Guide hatte dafür einen außergewöhnlichen Ort ausgesucht: die Tiger Temple Lodge muss einst ein imposantes Hotel gewesen sein, mitten in dieser undurchdringlichen Wildnis, doch seit vor sieben Jahren eine Gesetzesänderung alle Übernachtungen innerhalb des Parks unterband, ist sie dem Verfall ausgesetzt. Die Spuren der Zeit waren deutlich sichtbar: verfallene Dächer, tellergroße Löcher in den Fliegengittern, gebrochene Planken auf der Aussichtsplattform über dem Fluss. Doch zugleich wirkte es, als seien die Besitzer nur mal kurz weg: Teller und Tassen standen noch in ordentlichen Reihen im Regal, Vorhänge wehten an den Fenstern und die Toilette war in erstaunlich gutem Zustand. Ein seltsam faszinierender Ort mitten in der Wildnis.
Als die Hitze wieder nachließ, machten wir uns auf den Rückweg. Wieder sahen wir einige Nashörner, doch der große Star, der bengalische Tiger, ließ sich nicht blicken. Nur seine handgroßen Pfotenabdrücke entdeckten wir im Staub. Kurz bevor wir wieder an unserem Ausgangspunkt ankamen, entdeckten wir aber immerhin noch einen der seltensten Parkbewohner überhaupt: eine armdicke Königskobra wand sich hastig durch das Unterholz, als wir ihr mit dem Jeep zu Nahe kamen.
Erst als die Sonne schon tief am Himmel stand, erreichten wir wieder Sauraha. Dort liefen schon die Vorbereitungen für einen Feiertag, der uns auf dieser Reise immer wieder begegnet: Silvester! In Nepal beginnt das neue Jahr nämlich am 15. April, und es ist auch nicht das Jahr 2014, sondern das Jahr 2071, das nun an die Tür klopfte. Doch anders als der Rest der Welt begegnen die Nepalesen dem neuen Jahr mit geradezu buddhistischem Gleichmut: keine großen Feiern, kein Feuerwerk, nur ein Essen mit der Familie oder Freunden würdigt den Übergang von einem Jahr ins andere. Wir waren ohnehin müde von einem sehr sehr langen Tag, und so begegneten wir dem neuen Jahr auf die wohl gleichmütigste Art und Weise überhaupt: friedlich schlafend in unserem Bett! :-)
Pokhara - oder: warum man in Nepal nicht koreanisch essen gehen sollte
Guten Abend,
Als wir nach unserem Trek schließlich in Pokhara ankamen, waren wir ziemlich erledigt und sehnten uns nach einem gemütlichen, sauberen Zimmer und einer ordentlichen Mahlzeit.
Welch ein Glück, dass gleich das erste Guest House ein Volltreffer war! Das "Little Tibetan Guesthouse" liegt mitten in Lakeside, dem Touristenviertel von Pokhara, doch ein wunderschöner, duftender Garten trennt es vom hektischen Straßenlärm. Unser Zimmer war groß, hell und luftig und hatte sogar einen Balkon. Hier konnten wir Erholung von den Strapazen der letzten Tage finden.
Der nächste Tag war für uns ein besonderer: wir wollten feiern, dass wir nun schon neun Jahre gemeinsam durchs Leben gehen, und sind deswegen in ein koreanisches Restaurant gegangen, als Abwechslung von der leckeren, aber nicht sehr abwechslungsreichen Küche auf dem Annapurna Circuit. Lecker war das Essen hier durchaus ebenfalls, doch schon am Abend begann Börni sich unwohl zu fühlen. Vor allem beim Gedanken an Kimchi, das koreanische Sauerkraut, wurde ihm jedes Mal übel. Auch am nächsten Tag war keine Besserung in Sicht, den ganzen Tag blieb er im Bett. Als er sich am darauf folgenden Morgen immer noch vor Schmerzen krümmte, schlug ich vor, dass wir doch besser einen Arzt aufsuchen sollten.
Der Fahrer unseres Guesthouses erbot sich, uns für ein kleines Entgelt zu einem vernünftigen Krankenhaus zu bringen ("normale" Arztpraxen gibt es in Nepal wohl nicht). Das Krankenhaus war schon ganz schön in die Jahre gekommen und die Notaufnahme, ein Saal mit etwa zehn klapprigen Metallbetten, sah auch nicht sehr einladend aus. Doch der Fahrer lotste uns, nach einem kurzen Stopp an der Rezeption, in den ersten Stock, wo wir auf den Allgemeinmediziner warteten, dessen Sprechstunde in Kürze beginnen sollte. Die Schlange vor dem Sprechzimmer war nicht allzu lang, der Fahrer, der sich wirklich sehr fürsorglich um uns kümmerte, fand heraus, dass nur vier Patienten vor uns drankommen würden.
Für unser westliches Verständnis von Intimsphäre und Datenschutz ziemlich ungewöhnlich war, dass wir bereits ins Sprechzimmer geschickt wurden, als der vorherige Patient noch drinnen war. So konnten wir dem Arzt schon einmal ein wenig bei der Arbeit zusehen, bevor Börni selbst an die Reihe kam :-) Auch das Patientengespräch war amüsant - von der nüchtern-distanzierten Herangehensweise unserer europäischen Ärzte keine Spur. Stattdessen gab es viele Witzchen über ausländische Patienten und die aus nepalesischer Sicht erstaunliche Körpergröße europäischer Männer, die Börni in seinem Zustand aber nicht so richtig zu schätzen wusste. Schließlich stellte ihm der Arzt ein umfangreiches Rezept für allerlei Medikamente aus und schickte uns mit dem wohlmeinenden Rat nach Hause, doch bitte nur in guten Restaurants zu essen (als ob draußen angeschrieben stünde, wo man besser nicht einkehrt ;-) ).
Zum Glück taten die Medikamente recht schnell ihre Wirkung und Börni fühlte sich endlich besser. Dennoch blieben wir noch zwei Tage in Pokhara, bis er sich wieder fit genug fühlte für die lange Busfahrt zurück nach Kathmandu!
Samstag, 12. April 2014
Rund um das Annapurna-Massiv, Teil 6
Guten Abend liebe Leser,
Heute folgt der sechste - und letzte - Teil meines Berichts über unsere Annapurna-Umrundung. Bis Kokthetanti hatten wir es bei meinem letzten Eintrag schon geschafft.
Der nächste Morgen begrüßte uns, wie eigentlich immer im Himmalaya, mit schönstem Sonnenschein. Nachmittags konnte das Wetter noch so sehr einem Weltuntergang gleichen, wenn die Sonne aufging war davon nichts mehr zu bemerken.
Auch der Weg war an diesem Vormittag besonders schön. Hinter Kalopani führte er durch einen lichten Nadelwald, die Sonnenstrahlen zeichneten Muster auf den nadelbedeckten Boden. Auf einer Lichtung stießen wir plötzlich auf alte Bekannte, die wir seit den Anfangstagen unseres Treks nur noch oben am Himmel hatten kreisen sehen. Zwei Himalayan Griffons saßen auf einer Steinmauer, die Hälse nach Futter suchend gereckt. Erst jetzt wurde uns bewusst, wie groß diese Vögel wirklich sind! Vor uns kleinen Menschlein ließen sie sich kein bisschen beeindrucken, obwohl wir wirklich nur wenige Meter entfernt waren. Minutenlang standen wir da und beobachteten sie bei der Futtersuche.
Am Nachmittag sollte uns der Weg auf die andere Seite des Flusses führen, der mittlerweile wieder durch ein schmales, tiefes Tal rauschte. Doch welcher Weg war der richtige? Unten im Tal sahen wir, der Beschreibung aus unserem Guidebook entsprechend, eine Hängebrücke, doch die Markierung schien in eine andere Richtung zu weisen. Nach langem Hin und Her entschieden wir uns, zu der Hängebrücke hinabzusteigen. Was von oben nicht zu sehen war: wenige Hundert Meter weiter führte eine zweite Hängebrücke ebenfalls über den Fluss. Im Gegensatz zu der, vor der wir gerade standen, war diese nagelneu und komplett aus Stahl gebaut. Das Konstrukt, vor dem wir uns befanden, war dagegen schon etwas in die Jahre gekommen, schien aber immerhin von den Dorfbewohnern einigermaßen in Stand gehalten zu werden. Um über die neue Brücke gehen zu können, hätten wir allerdings erst einmal den Hügel wieder hinauf gemusst, den wir gerade heruntergestiegen waren. Also entschied ich mich, es mit der älteren Brücke zu versuchen. Schritt für Schritt suchte ich mir einen Weg über die alten Holzplanken. Die schlimmsten Stellen waren tatsächlich mit neuen Brettern abgedeckt worden, und so erreichte ich sicher das andere Ufer. Börni wagte sich auch an die Überquerung, und wenige Minuten später konnten wir unseren Weg fortsetzen.
Lange führte dieser einen steilen Abhang entlang, bevor schließlich, wieder einmal, ein scheinbar endloser Abstieg folgte. Ziemlich geschafft erreichten wir schließlich unser Tagesziel Dana.
Am nächsten Morgen legten wir zunächst das relativ kurze Wegstück nach Tatopani zurück. Der Ort ist bei den Annapurna-Trekkern bekannt für seine heißen Quellen, auf die wir uns auch schon freuten. Besonders einladend waren die Becken zwar nicht (schlichter Beton mit allerlei Rohren verziert), doch im warmen Wasser zu sitzen war herrlich. Nur eines trübte unsere Freude: der Zeh, der bereits nach der Passüberquerung angeschlagen gewesen war, war mittlerweile so sehr angeschwollen, dass ich kaum noch in meine Wanderschuhe passte. Zwar fehlten nur noch 27 Kilometer bis zu unserem eigentlichen Ziel, Nayapul, doch diese führten über den sogenannten Poon Hill, 2000 Höhenmeter hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter. Während wir noch überlegten, nahm uns der Zeh gewissermaßen die Entscheidung ab: man konnte beinahe zusehen, wie er immer weiter anschwoll und sich am Nagelbett eine fiese Blase bildete. Zu groß war das Risiko, irgendwann gar nicht mehr weitergehen zu können und auf dem Poon Hill festzusitzen. Schweren Herzens beendeten wir also unsere Wanderung mit einem ausgiebigen Mittagessen und stiegen dann wehmütig in einen Bus, der uns nach Beni bringen sollte.
Eine Entscheidung mit interessanten Folgen. Die "Straßen" in diesen entfernten Gebieten des Himmalayas sind nichts weiter als mühsam in den Fels gehauene Trassen, mit Schlaglöchern übersät und mit Felsbrocken dekoriert. Ich bewundere wirklich den Mut der Busfahrer, die sich mit ihren zwanzig Jahre alten Klapperkisten trauen, hier entlangzufahren! Während der gesamten Fahrt mussten wir uns am Vordersitz festkrallen, weil es uns immer wieder von den Sitzen hob und hin und her warf. Kam uns ein Auto oder gar ein LKW entgegen, musste unser Fahrer oft sogar rückwärts wieder den Hang hinauf bis zu einer der wenigen Stellen, an denen überhaupt zwei Fahrzeuge aneinander vorbeipassen. Doch mit einer Engelsgeduld und einer sicheren Hand schaffte unser Busfahrer die knapp dreißig Kilometer in zwei Stunden. Dennoch fuhren wir den Rest der Strecke nach Pokhara lieber mit dem Jeep! ;-)
Damit war unser Annapurna-Trek nach 15 Tagen und 185 Kilometern zu Ende. Ich kann nur wiederholen, was ich bereits in meiner kleinen Statistik geschrieben habe: wir würden es sofort wieder machen!
Freitag, 11. April 2014
Rund um das Annapurna-Massiv, Teil 5
Guten Morgen liebe Leser,
Der Tag nach unserer abenteuerlichen Passüberquerung hielt eine unangenehme Überraschung für uns bereit: den schlimmsten Muskelkater unseres Lebens ;-) Vor allem beim Treppensteigen streikte unsere Waden- und Oberschenkelmuskulatur. Außerdem hatte mein rechter großer Zeh die 1600 Höhenmeter bergab etwas übelgenommen und war von der ständigen Reibung angeschwollen und empfindlich.
Nachdem wir es zum Glück ja aber nicht besonders eilig hatten mit unserem Trek (im Gegensatz zu vielen anderen, die nur zwei Wochen oder noch weniger eingeplant hatten), gönnten wir uns einfach einen Tag Auszeit in der hübschen Kleinstadt Muktinath.
Muktinath ist nicht nur bei Trekkern aus aller Welt bekannt, die dortigen Tempel gehören für Hindus und Buddhisten zu den größten Heiligtümern überhaupt. Wie es der Zufall so wollte, fiel unsere Auszeit ausgerechnet auf einen hinduistischen Feiertag (leider konnte ich nicht herausfinden, welchen). Plötzlich bevölkerten nicht mehr nur Trekker die Stadt, sondern Hunderte, nein Tausende Pilger aus Nepal und Indien.
Der Tempel selbst gehört wohl zu den merkwürdigsten religiösen Einrichtungen, die wir je besucht haben. Mittelpunkt des Geschehens ist ein Sammelsurium aus Wasserbecken, umrahmt von 108 Wasserspeiern. Sich hier zu waschen, hat wohl dem hinduistischen Glauben nach eine reinigende Wirkung im religiösen Sinne, weshalb die Pilger an diesem Tag zu Hunderten ins Wasser sprangen. Für die buddhistischen Pilger spielt dagegen eine von Erdgas gespeiste Flamme in einem kleinen Tempelgebäude die Hauptrolle, welches wir jedoch nicht betreten durften. Doch es war spannend genug, die endlosen Schlangen zu beobachten, die in den Tempel drängten, um ihre Opfer darzubieten! Wirklich ein einzigartiger Ort, dieses Muktinath.
Am nächsten Tag fühlten wir uns dann ausgeruht genug, uns an den langen Abstieg zu machen, der noch vor uns lag (Muktinath liegt immerhin noch auf 3800 Metern!). Am Anfang wehrte sich die Beinmuskulatur zwar noch ein wenig gegen die Bewegung, aber nach und nach fanden wir wieder zurück in unseren gewohnten Wanderrhythmus. Gerade der Vormittag dieses Tages belohnte uns mit wunderschönen, wenn auch kargen Anblicken der nepalesischen Bergwelt. Vor Allem der steile Abstieg vor Eklebhatti, der in das Flusstal des Kali Gandaki hinabführt, war atemberaubend!
Ganz anders der Nachmittag. Der Weg führte nun quer durch das vollkommen flache und sehr breite Bett des Flusses. Eine Wüste aus Geröll und Staub, ein bisschen so, wie man sich die Mondoberfläche vorstellt! Anders als auf dem Mond wehte hier allerdings nachmittags ein kräftiger Wind, der den Staub aufwirbelte und uns ins Gesicht blies. Die Augen tränten, die Zähne knirschten, wirklich kein angenehmes Gefühl! Hinzu kam, dass ich mir, im Bemühen meinen Zeh zu schonen, eine fiese Blase gelaufen hatte und jeder Schritt schmerzte. Scheinbar endlos zog sich der Weg, bis wir endlich Jomsom erreichten und in einem Gasthaus Schutz vor dem beißenden Wind fanden.
Am nächsten Morgen hatte sich der Wind gelegt und wir konnten weitergehen. Nachdem wir nun endlich den Regenschatten der Achttausender verließen, wurde die Umgebung endlich (!) wieder grüner. Nach Tagen in der Einsamkeit des Hochgebirges freuten wir uns über den Anblick von Bäumen, Sträuchern und sogar Gras, die nun die Landschaft dominierten. Wir gelangten zu einem Ort namens Marpha, gewissermaßen die Bodenseeregion Nepals, eine Hochburg des Apfelanbaus. Bekannteste Spezialität: Apfelbrandy. Natürlich kauften wir ein Fläschchen für den Feierabend ;-)
Doch auch an diesem Tag meinte es das Wetter nicht so wirklich gut mit uns. Gegen Mittag zogen immer dunklere Wolken auf, und schon bald fing es an zu nieseln. Nachdem wir bislang so viel Glück mit dem Wetter gehabt hatten, mussten wir nun doch einmal unsere Regenjacken auspacken. Die Laune war ziemlich auf dem Tiefpunkt, bis wir auf die Idee kamen, uns mit ein bisschen Gesang aufzuheitern. Lauthals sangen wir alles, was uns in den Sinn kam: von "Ein Bett im Kornfeld" über Beatles-Klassiker und "Alles aus Liebe" bis hin zu "Ein Loch ist im Eimer". Ich will gar nicht wissen, was die Nepalesen an diesem Tag über uns gedacht haben ;-)
Abends in unserer Lodge im winzigen Kokthetanti war es dann auch dem Wetter entsprechend kalt. Da kam uns der Apfelbrandy gerade recht - ein ordentlicher Schluck aus der Flasche und schon breitet sich ein kleines Feuer im Magen aus, das besser wärmt als alle Paar Socken übereinander :-) Ich bin ja sonst wirklich kein Fan von Schnaps, aber hier kam er mir wirklich gerade recht. Auf diese Weise angeheitert, gingen wir schon um sieben Uhr ins Bett und schliefen friedlich bis zum nächsten Morgen!
To be continued :-)





















